Flesh

David Szalay:"Was nicht gesagt werden kann"(Verlag Claassen) | 15.1.2026

Istvan ist 15, lebt mit seiner Mutter in einer ungarischen Plattenbausiedlung und ist verwirrt. Verwirrt von den Avancen der Nachbarin, die älter als seine Mutter ist, verwirrt von seiner eigenen Sexualität, die ihn beunruhigt und nachts nicht schlafen lässt. Nach einem folgenschweren Unfall, landet der Junge erst im Jugendknast, dann in Afghanistan als Soldat und irgendwann, als junger Mann, in London und, nach vielen krummen Dingern und Gelegenheitsjobs, als Personenschützer bei einer reichen Familie, die ihm einen ungeahnten Aufstieg verschafft.
Doch auch ein Leben in Reichtum und vermeintlicher Geborgenheit ist nicht sicher vor erneuten Erschütterungen und der existensiellen Frage nach Herkunft und Zugehörigkeit. Der junge Mann taumelt durch seine Illusion des Lebens, unfähig selbst zu agieren und sein Schicksal in die Hand zu nehmen.
Am Ende ist er wieder am Anfang. Aber das ist "ok".
Etwas verstörend und zutiefst berührend. Zwischen Camus und Sartre, auf dem Pfad der Gegenwart, kann man eigentlich nur scheitern oder sich durchschlagen und irgendwie annehmen, was das Leben einem vor die Füße wirft.
Was für ein großartiger Roman, der den Booker Preis mehr als verdient hat. Grandios aus dem englischen von Henning Ahrens übersetzt.
Chapeau!
Lesen!
Unbedingt lesen!