Richard Price: "Lazarus Man"(verlag Rowohlt) | 12.2.2026

2008 stürzt, völlig unvermittelt, ein Mietshaus in East Harlem in sich zusammen und versetzt die Anwohner in einen Ausnahmezustand. Wer wurde geborgen? Wer wird noch vemisst? Wer wohnte überhaupt in dem fünfstöckigen Haus? Auf jeden Fall doppelt so viele Menschen, wie gemeldet, was die Suche nach Vermissten deutlich erschwert.
Für einige ist es ein Zeichen (für was auch immer), für andere die Möglichkeit sang-und klanglos zu verschwinden. Und es gibt ein paar abgehängte Figuren, deren Leben auf wundersame Weise durch dieses tragische Ereignis neuen Schwung bekommt. Polizistin Mary, Fotograf Felix, Bestatter Royal und nicht zuletzt der "Lazarusman" Anthony Carter, der nach zwei Tagen unversehrt geborgen wurde, sind seit oder nach dem Ereignis nicht mehr dieselben. Sie begegnen sich auf unterschiedlichste Weise, verspüren neuen Lebensmut und packen ihr Schicksal endlich bei den Hörnern. Alle haben verschiedene Ethnien, Kulturen und soziale Hintergründe. Hundertdreiundvierzig Sprachen, fünfundvierzig Nationen und zweiundfünzig Religionen lassen New York brodeln und dennoch miteinander verschmelzen. So wird es nie wieder sein und wenn man diesen grandiosen Gesellschaftsroman liest, weiß man warum wir Amerika einmal so sehr geliebt und bewundert haben. In einem Feuerwerk der Dialoge, lässt Meister Price uns nochmal nachspüren, wie es war, als Amerika wirklich great war. Was für ein Buch! Sensationell! Und so großartig übersetzt von Henning Ahrens, dass man die Hot-Dogs riecht, den Straßenlärmt hört und der Asphalt einem unter den Füßen brennt.
Chapeau!
Lesen!
Unbedingt lesen!