Überleben in schweren Zeiten

Svenja Leiber "Nelka" (Verlag Suhrkamp) | 6.3.2026
Was ein Mensch alles aushalten, ertragen und überleben kann, erzählt Svenja Leiber auf so klare, erschütternde Weise, dass "Nelka" einen lange nicht loslässt.
1941 wird das junge Mädchen aus Lemberg nach Norddeutschland verschleppt und als Zwangsarbeiterin auf einem deutschen Gutshof verpflichtet. Allein ihr Wissen über Pomologie, den Anbau von Äpfeln, ihre Sortenerhaltung und das Anlegen einer Obstplantage, rettet ihr das Leben und beschert Gutsverwalter Marten, für Jahre eine ertragreiche Ernte. Kleine Zugeständnisse ermöglichen ihr, im Gegensatz zu vielen Leidensgenoss:innen, trotz schwerster Arbeit, Hunger, Kälte und Krankheiten, den Krieg zu überleben. Selbst der Zudringlichkeit des Gutsverwalters kann sie lange trotzen und sogar dessen Frau, die Stirn bieten. Zurück in ihrer alten Heimat, steckt Nelka das Leiden, die Angst und das ungewollte Vermächntnis des Verwalters noch viele Jahre in den Knochen. Deshalb beschließt sie Marten noch einmal aufzusuchen und ihn mit der Erinnerung zu konfrontieren. Am Ende weiß Nelka, dass auch der Gutsverwalter die Geister, die er rief niemals losgeworden ist und kann sich endlich befreien.
Rund 20 Millionen Menschen mussten im "Deutschen Reich" Zwangsarbeit leisten, wurden geschunden, ausgebeutet und ermordet, wenn sie nicht mehr von Nutzen waren. Viele von Ihnen wurden nach dem Krieg zu displaced persons. Ohne Heimat, ohne Zukunft. Nelka hatte Glück und am Ende einen Weg gefunden, dem Leben die Arme zu öffnen.
Auf großartige Weise schafft Svenja Leiber den Leser:innen diesen Albtraum nahezubringen und die Grausamkeiten auszuhalten. Es wird alles nur angedeutet und doch springt das Kopfkino sofort an. Das ist eine literarisches Meisterwerk!
Lesen!
Unbedingt lesen!